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Viel zu früh eigentlich

Januar 24, 2011

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Hat er Lust, alles liegen und stehen zu lassen. Schon seit dem Morgen sitzt er mehr oder weniger herum. Er wird nicht schlecht bezahlt, hat nicht viel zu tun, dennoch. Sobald er hier hereinkommt stülpt sich die  Öde über ihn. Sie dringt in alle Ritzen, Öffnungen und Poren, und kleistert alles zu. Sogar das Atmen fällt ihm hier schwer. Und alles ist mühsam. Und nichts geht leicht von der Hand. Soll das schon alles gewesen sein? Wird er noch mit 40 hier so sitzen? Kann er überhaupt noch woanders hin und wenn ja, würde er es dort schaffen? Schaffen können?

Über den Dächern der ewig gleiche Hochnebel.

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Sonntag nachmittag 2

April 13, 2010

“Weinhütter” war auf dem Dachblech zu lesen. 1854 stand daneben. Die “Weinhütter” hatten die Trauben in der Zeit unmittelbar vor der Ernte zu bewachen.

“Aber allzuernst haben sie das nicht genommen. Das war eher ein Spaß für die jungen Buam”, fügte der Winzer, schmunzelnd, hinzu.

Sie gingen weiter. Im offenen Gelände wehte es heftiger.  

Vor einem Weinstock blieb der Winzer stehen.  Dem Stamm entsprangen genau zwei Triebe. Einer links und einer rechts. Sie sahen wie die Fühler eines Insekts aus.

“Früher”, so meinte der Winzer, “hätte man vor allem auf den Ertrag geschaut. Aber jetzt sehe man vor allem auf die Qualität.  Und das heiße zurückschneiden.  An jedem Trieb hier finden sich genau 10 Augen, da kommen dann bei jedem ein zwei Triebe raus, wir schauen uns das dann an und der schwächere wird auch noch weggeschnitten. Das gibt natürlich weniger Ertrag pro Hektar, aber die Qualität steigt, weil der Stock alle Kraft in die wenigen Reben legt, die übrigbleiben.”

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Sonntag nachmittag

April 12, 2010

Komisch war ihm das schon vorgekommen, denkt er sich heute noch oft. Aber er hat nicht auf sich gehört, damals.  Und alles übersehen. Komplett. Aber selbst wenn er etwas bemerkt hätte, hätte er sich kaum die Folgen ausdenken können. Die Realität übertrifft die Phantasie im allgemeinen. Das wird immer unterschätzt.

Sie waren mit dem Zug bis in dieses Dorf gefahren und er hatte sich gleich gefragt, ob die Aussage von E., “es gäbe hier einen Tag der offenen Kellertür mit Weinwanderung” nicht auf einem Irrtum beruhte.  Es waren einfach keine Leute zu sehen. Sie stapften in den eigentlichen Ort und noch immer war kein Schwein zu sehen. Niemand, nicht einmal die Ansässigen. Der Wind pfiff um die Gemäuer und er war froh, sich gut angezogen zu haben. In der Kellergasse war tatsächlich ein Presshaus geöffnet. Sie gingen hinein, grüßten und wurden von einer dicken Frau empfangen, die ihnen auf Nachfrage versicherte, dass die Führung stattfinden werde. Im Keller roch es gut. E. hatte ihm versichert, dass bei der Weinwanderung auche ein Buffet inklusive Kostproben inkludiert sei. Inzwischen hatten sich auch andere Teilnehmer eingefunden. Eine Familie mit Hund. Der Köter schaute genauso indigniert und herablassend wie seine Besitzer.  Auf die Frage des nun erscheinenden Weinbauern, “ob der Hund denn jagdlich erzogen sei”, meinte die älter Dame beglückt, dass der Hund auf eine Ahnenreihe äußerst vielversprechender Jagdhunde zurückblicken könne, er selbst aber nicht ausgebildet sei.  Ein Ehepaar in Funktionskleidung  kam hinzu. Der Weinbauer, sich die Hände verlegen reibend, meinte, es würden wohl nicht mehr werden, als Wanderin in roter Funktionskleidung hinzutrat, sich für ihr Zuspätkommen entschuldigend. Es konnte nun losgehen. Sie waren acht.

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Später Nachmittag und Nacht.

April 8, 2010

Beim Einkaufen im Supermarkt trifft er J. Er sieht sie zum erstenmal seit Monaten. “Wie geht es dir” fragt er, ehrlich interessiert.  J erzählt ihm ihre Geschichte. Sie sei schwanger gewesen. Von keinem guten Mann, drogensüchtig und so. Das habe sie aber am Anfang nicht gewußt. Das Kind noch im 3. Monat gestorben. Die Ärzte hatten gesagt, das sei besser so, weil bei diesen Erbanlagen wäre aus dem Kind nichts geworden, höchstens ein Debiler, den sie ein Leben lang hätte pflegen müssen. J sagt, sie sei schon traurig gewesen, aber jetzt ginge es ihr besser. Ihre Familie sei heraufgekommen. Das helfe.

Diesen Abend hört er laute Musik und fröhliches Geschwätz aus J´s Wohnung dringen.

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Frühmorgens

April 7, 2010

Den Schilfplanzen geht es offenbar nicht gut. Sie sind trocken und braun und wahrscheinlich schon längst tot.  Sie sind in übermannsgroße Käfige gesperrt, vier an der Zahl. Sie sind Begrünung.

Kalter Wind weht durch die kleinen Ritzen. Der Platz, auf dem sie stehen wurde umfassend neu gestaltet. Natur im Käfig gehört zum Konzept. Zum Konzept der politischen Köpfe hinter dieser Umgestaltung.

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Osternacht

April 6, 2010

Du siehst ganz irre Farben. Ein sich ständige bewegendes Muster, ein Wabbern, ganz neue Formen, eine echte Erweiterung deines Sehens. Die natürlichen Grenzen der Wahrnehmung werden dadurch in Regionen versetzt, von denen du dir nie träumen hättest lassen.” 

Er lehnte ab. Er erinnerte sich an lange Kirchenbesuche seiner Kindheit, wo er sich damit unterhalten hatte, die Ballen seiner gefalteten Hände solange in seine auf seine Augen zu pressen, bis er die wunderlichsten Muster und Formationen zu sehen bekam.

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Abends

März 30, 2010

Der Mann war dabei, die Schnitzelsemmel fertig zu machen. Erst jetzt fiel ihm auf, dass er nicht einmal einen Cent in der Tasche hatte.

Macht nichts“, sagte der Mann, “es handelt sich bei uns eh nur um kleine Beträge“.

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Abends

März 29, 2010

Durch ihre goldene Chiffonbluse konnte man den schwarzen BH sehen.

“Gehört das so” frage er sich, “oder ist das einfach passiert”.

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Vormittags

März 26, 2010

Die Spuren des vorangegangenen Nutzers waren noch deutlich an der Innenseite der Muschel abzulesen. Riechen konnte man es auch.  

“Wie” fragte er sich, “soll eine Gesellschaft, die scheitert ihren Mitgliedern die einfachsten Verhaltensmaßregeln der Hygiene zu vermitteln, jemals Bestand haben”.

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Nachmittags

März 25, 2010

Der Mann am Podium machte sich nicht die Mühe Versprechungen zu machen. Auch wenn alle darauf warteten belogen zu werden. Aber das wurde ihnen nicht zugestanden.

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